Riders Kolumne aus dem aktuellen mtb rider magazine
Hier zum Nachlesen meine Kolumne zur aktuellen Ausgabe des mtb rider magazines.
Viel Spaß beim Lesen!
Deutschland soll Downhillweltmeister 2018 werden.
Der ehrenhafte Gesamtsieg der internationalen Rennserie der Königsklasse, des Downhill-Worldcup geht an einen deutschen Fahrer! Unvorstellbar für Euch? Ja, für die heutige Zeit ist dieser Gedanke fernab der Realität. Aber, das gab es schon einmal! 1993 gewann Jürgen Beneke die Gesamtwertung der schnellsten Jungs und wir waren mächtig stolz auf unseren Jürgen.
Unter heutigen Umständen ist solch ein internationaler Erfolg unvorstellbar – damals war das aber die Leistungsmesslatte an der die deutschen Downhiller gemessen wurden. Denn vor rund 18 Jahren, in den Anfängen des Downhillsports, gehörte Deutschland zu den Nationen die bei der Siegvergabe auf internationalen Rennen ein Wörtchen mit zu reden hatten. Ähnlich wie heute Frankreich, Australien oder England.
Heute ist es so, dass sich seit Jahren kein deutscher Fahrer im Worldcup unter den Top10 zu platzieren konnte. Warum ist das so und was kann man tun um daran etwas zu ändern? Ich will nicht, typisch Deutsch, nur meckern und meinen Finger in Missstände bohren, sondern vielmehr versuchen euch ein paar grobe Ideen mit auf den Weg zu geben die nützlich sein könnten, wenn ihr 2018 das Regenbogentrikot auf dem Podest der Weltmeisterschaft überstülpen wollt.
Der Downhillsport verfügt inzwischen über eine beeindruckend hohe Leistungsdichte. Wenn ihr hier international mitspielen wollt, müsst ihr euch der Sache zu hundert Prozent widmen, eine Zeit lang alles probieren und euch voll auf den Sport konzentrieren. Wollt ihr wirklich mal vom Downhillen leben, müsst ihr auf dem Weg dorthin genauso gründlich und gewissenhaft vorgehen, als wenn es bereits euer Job wäre! Tut ihr das nicht vergeudet ihr Talent und Zeit.
Aber wo anfangen?
Eine realistische Selbsteinschätzung, Talent, Risikobereitschaft, Spaß, eine gewisse Lockerheit und der unbedingte Wille sich einen Platz in der Weltspitze zu erfahren, sind meines Erachtens die Grundvoraussetzungen für eine Profikarriere.
Radbeherrschung und das Wissen über die eigenen Fähigkeiten sind ein weiterer Baustein D.h. viel und regelmäßig Downhill fahren auf Streckenprofilen die denen im Worldcup ähnlich sind, nämlich lang, steil, schnell und hart. Ist das aufgrund eures Wohnorts nicht möglich braucht man ein Crossmoped um die Unterarme sportartspezifisch zu trainieren. Ohne das kann man Mission Worldcup schnell wieder abhaken.
Des Weiteren braucht ihr einen Mentor! Es ist schlicht unmöglich sich als unerfahrener Junior alles nötige Wissen über Material, Training, Renntaktik, Fahrtechnik, Fahrwerksabstimmung usw. in kurzer Zeit anzueignen. Das muss schnell gehen und deshalb ist der Austausch untereinander so wichtig! Dass so etwas viel bringt zeigt der Blick nach England zu Steve Peat und seinen Zöglingen.
Eigeninitiative ist gefragt! Der Verband wird euch nicht unterstützen, weder finanziell, noch sitzen dort Leute die über genug Sachverstand verfügen. Deshalb braucht ihr starke Unterstützung aus der Familie, finanziell, auf Rennen, als Mechaniker, Fahrdienste und wenn es ernst wird einen Fitness und/oder Fahrtechniktrainer. Hier spreche ich nicht von der Muckibude und dem Trainer ums Eck, auch nicht von einem Cross Country oder Rennradtrainer, sondern von einem Trainer der genau weiß auf welche spezifischen Belastungen er euch im Worldcup vorbereiten muss.
Der Versuch Profi zu werden ist mit einem gewissen Risiko behaftet, Ausgang des Abenteuers ungewiss. Jedoch ist das mit dem wahrgenommenen Risiko immer eine sehr subjektive Einschätzung die stark variieren kann. Vielleicht trauen sich die Deutschen einfach zu wenig, haben zu viele Ängste oder sind zu bequem? Vielleicht ist es auch einfach zu aufwändig? Solche Eintrittsbarrieren sind für Sportler in Olympischen Disziplinen geringer, bekommen sie ja Sporthilfe oder die Möglichkeit sich als Sportsoldat zu verpflichten und dadurch finanziell abzusichern. In Downhill-Deutschland müsst ihr das auf eigene Faust organisieren. Das ist schwerer aber nicht unmöglich!
Egal ob Profi, Hobbyfahrer, Ausbildung, Studium oder Job, macht keine halben Sachen und seid happy damit! Ich freue mich jedenfalls auf den Tag, an dem wir wieder sagen können: „Oha, schau Dir den an, der hat das Zeug aufs Treppchen zu fahren.“
Ride on, Falco
